Kärntner SchriftstellerInnen am Prešerenplatz (Prešernov trg) in Ljubljana

KSV-Antrittslesung von R. Lederer, G. Stadler, D. Travner am 7. Mai in Klagenfurt

Diese Erde ist eine unbarmherzige Liebhaberin. Sie ist verhext. Sie ist eine Zauberin! Sie nimmt Sie in ihre Arme und läßt Sie nie wieder gehen.

Bruce Chatwin: In Patagonien

 

LOGO 2019

Vorstellung der neuen Mitglieder des Kärntner SchriftstellerInnenVerbandes

Zeit: Dienstag, den 7. Mai 2019, um 19:30 Uhr
Ort: Robert-Musil-Haus, 1. Stock, Bahnhofstr. 50, Klagenfurt
Es lesen: Rosemarie Lederer, G. Apo Stadler und Dagmar Travner
Moderation: Gabriele Russwurm-Biro

 

 

G. Apo Stadler liest u.a. aus seiner Kurzgeschichte “Fluss des Lebens”, die über eine Reise nach Patagonien erzählt und dabei eine Brücke in die Kindheit schlägt:

G. Apo Stadler

G. Apo Stadler

Der Rio Baker ist der wasserreichste Fluss Chiles. Er hat es als einziger geschafft, die Anden zu durchbrechen. Diese Kraft spüre ich auch jetzt durch meine Adern fließen. Ich bin völlig entspannt, ruhig, eine unbeschreibliche Klarheit umfängt mich. Vor meinem geistigen Auge läuft ein Film ab.

Das Jahr 1951: Ich bin allein im Zimmer…

 

 

 

Wasser – in etwas anderer Ausprägung – ist auch für Dagmar Travner der Ausgangspunkt für weiter führende Reflexionen. Die Autorin begibt sich mit ihrem Text “Meer: Die See sehen” an selbiges und spielt mit Erinnerungen und Gestalten, Formen und Farben:

Dag Travner LJ

Dagmar Travner

Nicht ohne Grund tauchen wir träumend tief in das Meer ein – was als Schwebezustand wunderschön wie auch beängstigend sein kann. Das Bild ist so stark, dass sich viele Menschen sogar im Wachzustand vor tiefen Gewässern fürchten, die so unergründlich, ja gefährlich sind: voller Schlingpflanzen, scharfer Felsen und unheimlicher Lebewesen.
Geben wir dem Meer mehr Bedeutungstiefe als ihm zusteht?

 

 

Weiter in die Tiefe menschlicher Abgründe dringt Rosemarie Lederer mit ihrem Roman “Verwahrlost” vor:

Rosemarie Lederer

Rosemarie Lederer

Man sagt, die Liebe findet man, indem man liebt.
Wie soll einer lieben lernen, wenn das Zuhause, der Ort, der Geborgenheit und Liebe vermitteln soll, zum Ort der Angst wird?
Paul flüchtet hinter die rote Wand der Verdrängung. Schritt für Schritt lernt er eine neue Welt kennen.

 

 

Facebook Event: www.facebook.com/events/2283214178608686/

KSV goes Laibach | Eine literarische Reise nach Laibach | Literarni izlet v Ljubljano | Un viaggio letterario a Lubiana

Kärntner SchriftstellerInnen am Prešerenplatz (Prešernov trg) in Ljubljana

Kärntner SchriftstellerInnen am Prešerenplatz (Prešernov trg) in Ljubljana

Der Kärntner SchriftstellerInnen Verband (KSV) zu Gast beim slowenischen PEN-Club in Ljubljana am 22./23. März 2019.

Ein Radio-Feature von Dagmar Travner

Gelebte Mehrsprachigkeit im Alpe-Adria-Raum: Kärntner SchriftstellerInnen folgen einer Einladung des slowenischen Pen-Clubs nach Laibach. Ein Stimmungsbild einer Lesereise mit zweisprachigen Texten zum Thema Flucht von folgenden AutorInnen: Sieglind Demus, Ivana Kampuš, Angelika Peaston, G. Apo Stadler, Gernot Ragger, Gabriele Russwurm-Biro, Dagmar Travner und Alfred Woschitz.

Das Hörbild entstand in Kooperation des Club Tre Popoli (C3P) mit dem Kärntner SchriftstellerInnen Verband für Radio Agora 105,5:

Erstausstrahlung am 30. März 2019 um 19 Uhr auf Radio Agora 105,5.
Länge 59 Minuten
Redaktion, Idee und Interviews: Dagmar Travner
Schnitt: Luka Plevnik
Link zum Nachhören https://cba.fro.at/401082

Združenje Koroških pisateljic in pisateljev (KSV) kot gostja pri slovenskem PEN-klubu v Ljubljani.
Živeta večjezičnost v regiji Alpe-Jadran: Koroške pisateljice in pisatelji so se odzvali vabilu slovenskega PEN-kluba v Ljubljano. Bralno potovanje z dvojezičnimi besedili na temo Beg so nastopili avtorice in avtorji Sieglind Demus, Ivana Kampuš, Angelika Peaston, Gernot Stadler, Gernot Ragger, Gabriele Russwurm-Biro, Dagmar Travner in Alfred Woschitz.
Ta zvočna slika je nastala v sodelovanju s Klubom Tre Popoli (C3P) in Združenjem Koroških pisateljic in pisateljev (KSV).

Fičer je pripravila Dagmar Travner

Molk | Silence | Schweigen

Haiku

Molk

pismo molčeče
nikóli dostavljeno
nikóli oddano

Silence

still unsaid unsent
silent letters to you
never delivered

Schweigen

Schweigende Briefe
Niemals aufgegebene
Nie gelieferte

 

Written and translated by Dagmar Travner

Tih pobeg | Stille Flucht

Tih pobeg

tvoj čas je tuji čas
to ni moja resníca
tečem hitro skozi nóč
jezik brez besed
vsak konec je prehod
tišina je moja móč

Dies ist mein erstes auf slowenisch geschriebenes Gedicht,
ich habe dafür die Form eines Sedoka gewählt,
mit der Silbenfolge 5-7-7-5-7-7,
einer alten japanischen Gedichtform, Vorläufer des Haiku.

Meine Übertragung ins Deutsche:

Stille Flucht

Nicht meine Wahrheit
Deine Zeit war fremde Zeit
Lief blindlings durch finstre Nacht
Sprach ohne Worte
Jedes Ende ist Durchgang
Stille meine Stärke wird

 

 

Buchpräsentation “Am Teppich” – Kunstraum Arcade

Am Teppich

Mittwoch, 22. Oktober 2014, 19 Uhr
Buchpräsentation im Kunstraum Arcade; Mödling
Es lesen:

Dagmar Travner (Kurzgeschichte In Flammen)
Brigitte Sasshofer, Stephan Denkendorf und Helga Cmelka

aus der Anthologie Bleib am Teppich, art&print, Mödling, im Mai 2014

Der Sammelband erschien anlässlich der gleichnamigen Ausstellung
zum 40-jährigen Jubiläum des Kunstraum Arcade
(Beethovenhaus, Hauptstraße 79, Mödling; siehe Karte)

Musikalische Begleitung: Tanja Süss und Lisa Fuchs (beide am Cello)

Haiku: Leaving

In the train

train’s steady flow
vanishing landscapes, leaving
moving to white fields

Haiku: Easter Monday

Easter Eggs

light snow falling
Fools’ day – meaningful Easter
a new begin

Empty Dreams

sleepily thinking of you
reaching out my hand towards
the empty place by my side
knowing your thoughts
are not longer with me

Apart

moon
colourless
so far, so near
lovers
apart

Breeze

gentle zephyr
fugacious kiss
touching lips

entangled hands
playful caresses
deep ardour

your embrace
surrounding me

Zeitspiralen

Sprich mir nicht von der Gegenwart, die gedehnte Unendlichkeit des Augenblicks wird es für uns nicht geben.

Denn die Gegenwart ist nicht für uns bestimmt, unser Ort ist die Abwesenheit, unsere Zeit die erzählende Vergangenheit. Auch diese kann stillstehen, auch diese kann sich dehnen bis in die Unendlichkeit, auch diese kann eine liebende sein – wir sollten uns damit begnügen. Unser Raum wird aufgespannt von Worten, die daraus gewobenen Geschichten schützen uns wie ein Zelt in der Nacht.

Die Zeit und die Stille

Lassen wir uns von der Stille bewegen, um unsere Worte wieder zu hören. Die Spirale der Zeit ergreifen, uns drehen lassen, kreisend, wiederkehrend.

Es ging um die Zeit, es hatte sich seit jeher um die Zeit gedreht, Zeituhren, Zeitspiralen, bis die Zeit abläuft… aber konnte diese zyklische Zeit überhaupt ablaufen, endete ein Kreis denn jemals? Jemals in der Unendlichkeit? Die abgelaufene Zeit, und der Stress, bevor das Ablaufen passiert, wohl ein Phänomen unserer Zeit.

Gegenwart: Präsenz und Präsent – wenn die geliebte Person im hier und jetzt ist, also da ist, so liegt in dieser präsenten Gegenwärtigkeit ein Geschenk. Die Abwesenheit, jedoch, hat keine eigene Zeit, weder eine faktische noch eine grammatikalische. Die Absenz erzeugt unterschiedlichste Momente kreativer Art – Drehmomente des Erschaffens von Namen, Benennungen, Worten, Sehnsüchten. Keine Worte ohne Abwesenheit – denn die Gegenwart weist hin, ein Dies und Das, die hin- und bedeuten. Der Gegenwart genügt ein Fingerzeig, eine Berührung, ein Blick, ein kleines Augenzwinkern.

Sollte sie nicht tot sein, die Künstlerin, von der ich dir viele lange Abende erzählt habe? Und hier fand ich sie wieder, im Stillstand der Zeit, im Auge des wirbelnden Zeitsturms, mitten in der Ruhe des sich drehenden Zeitrades. Indien. Befreit und gefangen, in der Endlosigkeit grüner Plantagen. In der Endlosigkeit einer zyklischen Zeit. Der Wiederkehr der Blüte, Frucht und Ernte.

Dort sitzt die Künstlerin also teetrinkend: mitten im Tee, mitten in der Bergen, in einer einsamen Hütte inmitten von endlosen Teeplantagen. Umgeben von sanft geschwungenem Teegrün soweit das Auge reicht. An Zeiträdern arbeitend – vom Sonnentempel inspiriert – in Schattierungen von teegrün, dunkelgrün, hellgrün, smaragdgrün, blaugrün, wiesengrün und hügelgrün! Ob sie beim Aufrollen der Vergangenheit diese auch verarbeiten wird, ihre Wut hinter sich lassen kann oder vielmehr auf Rache sinnt – das konnte ich nicht herausfinden.

Wenn es hier also, in dieser teegrünen Geschichte, um den Kreislauf der Zeit geht, um Anwesenheiten, Wiederkehr und Gesetzmäßigkeit: Dharma, Natursymmetrien, Serielles – worum ging es dann in der ersten Geschichte? das Verborgene? das, wonach gebohrt werden muss? die tiefere Wahrheit? oder den Ursprung selbst? Abwarten und Tee trinken.

Die Zeit dreht sich weiter. Die kleinen Räder werden zu Spiralen, diese zu Quadraten welche sich zu einem Muster an Kleinkariertheit fügen. Jede Menge kleiner Quadrate, diese Geometrie als die organische Quadratur des Kreises. Die Wiederholung des ewig Gleichen. Kann man ein Loch in den Zeithorizont reißen, wenn man so ewig gleich dahin tut? Denn die identische Wiederkehr, die gibt es nicht. Kann sich eine Schlinge im Zeitfaden verfangen und dann stillstehen? Ja, reißen, wenn überstrapaziert? Und wenn eine Zeitschleife entsteht und die Zeitlinie beschädigt wird – haben wir eine Zeitlaufmasche? Sinnlos verrinnende Zeit??? Oder bleibt die Zeit dann End-lich stehen? Endlich!

Es war die Schroffheit der Berge gewesen, die sie am meisten berührt, während das Eingeschlossen-Sein sie abgestoßen hatte. Aber waren das nicht genau die Merkmale, die sie Zuhause auch vorfand? Zuhause. Ist Heimat das, wonach man sucht und irgendwann mal findet? Also das, wohin man geht oder vielmehr das, woher man kommt? Oder ist es der Ort, wohin man wieder zurück geht? Wo man einkehrt. Endet.

Fragen über Fragen. Die Einsamkeit, das Leben. Die Kommunikation, das Schweigen, das Wandern, die stille Einkehr und der Stillstand. Das Nomadentum als die Zeitmaschine der Liebe, als der Moment der Anwesenheit: Warmherzigkeit, Tee und Kaffee, das Leben und der Tod. Das ist Indien, das ist die Zeit. Das ist das Leben.


Nacht Gang

träume – nachtgang durch
landschaften von andersheit
deine hand in meiner
komm! hör den herzschlag
spür meine melodie
schau meine gedanken

Übertragung ins Deutsche von Night Walk (vorhergehender Post)

Sedōka – eine japanische Gedichtform mit den max. Silben 5-7-7-5-7-7,
ähnlich dem Haiku und Tanka stellt er eine Unterordnung des Waka dar.

Tanka: Night Walk

dreaming – night walk through
landscapes of otherness
your hand in mine
come, listen to heartbeats
feel my tune, see my thoughts

Tanka is a form of Japanese poetry, similar to Haiku, but older and consisting of max. 5-7-5-7-7 Syllables.

Anmerkung eines Augenblicks

Seltsam, deine Tinte
in meinem Schreibbuch zu finden
die Spuren deiner Füllfeder
in meiner Handschrift zu lesen…

Erinnerst du
diesen Augenblick…

Anmerkung eines Augenblicks

English version: Traces of a Moment

Traces of a Moment

So strange to find

this special ink in my notebook
reading the traces of your fountain pen
written down by my own hand.

Do you remember
this blink of a moment…

German version: Anmerkung eines Augenblicks