Videobotschaft von Arigona Zogaj aufgetaucht

Mädchen droht erneut mit Selbstmord

15-Jährige fordert Rückkehr ihrer Geschwister.

Die 15-jährige Arigona Zogaj, die seit 26. September wegen einer drohenden Abschiebung untergetaucht ist, hat sich am Freitag in einer Videobotschaft zu Wort gemeldet. Laut ORF Radio Oberösterreich wurde die Aufnahme am Freitag im ORF-Landesstudio Oberösterreich abgegeben.

“Es geht mir richtig schlecht”, sagt die 15-Jährige in der Botschaft. Sie wolle aus ihrem Versteck zurückkommen, wenn zumindest ihre beiden jüngeren Geschwister nach Österreich zurückkehren dürfen.

“Unten habe ich gar nichts”
Sie habe Angst, dass auch sie zurück in das Kosovo müsse, sagte Arigona: “Unten habe ich gar nichts.” Sie wolle, “dass ich hier bleiben kann, dass ich eine bessere Zukunft habe. Meinen kleineren Geschwistern geht’s unten auch sehr schlecht. Ich würde auch zurückkommen aus meinem Versteck, wenn meine kleinen Geschwister zurück nach Österreich kommen.”

Die Familie des Mädchens hatte in den vergangenen fünf Jahren in Frankenburg (Bezirk Vöcklabruck) gelebt und galt als gut integriert.

“Verstehe Platter nicht”
Sie richtet sich in ihrer Botschaft auch an Innenminister Günther Platter (ÖVP): “Ich verstehe überhaupt nicht, warum uns der Herr Platter nicht die Möglichkeit gibt, dass wir weiter hier in Österreich bleiben dürfen. Wir haben nämlich gar nichts gemacht. Ich vermisse meine Familie sehr. Ich will, dass zumindest meine kleinen Geschwister zu meiner Mutter zurückdürfen.”

“Dann bring’ ich mich lieber um”
Die Selbstmorddrohung aus einem Schreiben vor ein paar Tagen wiederholt Arigona: “Ich will jetzt niemanden erpressen. Das mit dem Selbstmord habe ich ernst gemeint. Wenn ich zurückmuss, dann bring’ ich mich lieber um, weil unten habe ich keine Zukunft.” Der gesamte Text der Botschaft ist in oesterreich.ORF.at nachzulesen.

Seit über einer Woche verschwunden
Der Vater und vier Geschwister des Mädchens waren am Mittwoch vergangener Woche von der Polizei abgeholt und tags darauf in das Kosovo abgeschoben worden. Da Arigona verschwunden war, durfte ihre Mutter vorerst bleiben, um nach ihr zu suchen.

Von dem Mädchen fehlt seither – abgesehen von einem Brief und dem am Freitag aufgetauchten Video – jede Spur.

mehr: orf.at

“Weiß nicht, wo sie ist”

Namhafte Rechtsexperten schließen sich der Kritik an Platter an.

Innenminister Günther Platter (ÖVP) will im Fall der untergetauchten Arigona Zogaj und ihrer Familie an der Abschiebung in das Kosovo festhalten, weil das Gesetz das vorschreibe. Das lässt der Asylanwalt der Familie, Helmut Blum, als Grund nicht gelten.

Platter könnte für das Mädchen, das sich am Freitag in einer dramatischen Videobotschaft an die Öffentlichkeit gewandt hatte, “auf Basis der bestehenden Gesetze relativ leicht eine Lösung herbeiführen”, insistierte Blum am Freitagabend in der ZiB2.

Drängen auf “menschliche Lösung”
Platter könne “relativ rasch eine menschenrechtskonforme und menschliche Lösung” erreichen, indem er einen verbindlichen Abschiebungsstopp für Arigona und deren Mutter per Weisung an die Bezirkshauptmannschaften erlasse.

Platter wollte die Abschiebung bisher lediglich vorläufig aussetzen. Blum “erinnerte” Platter nun jedoch an die Möglichkeit, dass das Innenministerium jederzeit einen Aufenthaltstitel aus humanitären Gründen für Tochter und Mutter erlassen könne.

Video als “Verzweiflungstat”
Das Mädchen hatte allerdings in seiner Videobotschaft wie schon in einem Brief zuvor betont, sie wolle sich solange verstecken, bis auch ihre beiden jüngeren Geschwister nach Österreich zurückkommen könnten. Die beiden Kinder sind in Österreich aufgewachsen.

Platter kommentierte die bisherigen Äußerungen des Mädchens damit, dass der Staat sich nicht erpressen lassen dürfe. Blum nannte das Video eine “zweischneidige Sache”. Es sei jedoch kein Versuch einer Erpressung, sondern die “Verzweiflungstat eines jungen Menschen”.

mehr: orf.at

Harsche Kritik auch von SPÖ

Die Volkshilfe betont, Österreich würde auch wirtschaftlich von einem Bleiberecht profitieren.

Die SPÖ und die Grünen schießen sich auf Innenminister Günther Platter (ÖVP) wegen dessen “inhumanen Vorgehens” bei den aktuell umstrittenen Abschiebefällen ein. Die ÖVP-Führung agiere “herzlos wie ein Eiskasten”, so Grünen-Bundesparteisekretär Lothar Lockl.

“Nach dem Willen von (Vizekanzler Wilhelm, Anm.) Molterer und Co. werden auch in Zukunft Schulkinder am Heimweg von der Fremdenpolizei aufgespürt und gut integrierte Familien zerrissen und abgeschoben”, meinte Lockl in einer Aussendung.

“Abschiebeminister Platter”
Trotz Unmuts aus den eigenen Reihen verschanze sich die Volkspartei auch bei ihrer Klubklausur hinter “Abschiebeminister Günther Platter”, hieß es in der Aussendung der Grünen weiter.

Die Grünen bereiten mittlerweile einen Misstrauensantrag gegen Platter vor – und zwar wegen der Abschiebung von Langzeit-Asylwerbern. Die Begründung: Der Minister setze Menschenrechte nicht ausreichend um und verweigere sich der Diskussion über eine Gesetzesänderung – mehr dazu in oe1.ORF.at.