Der Buchautor Robert Sedlaczek schlägt gemeinsam mit der Volkshochschule Hietzing Alarm wegen “vom Aussterben bedrohter” Ausdrücke. Ab sofort werden Paten gesucht, die solche Wörter möglichst oft verwenden sollen.

So oft wie möglich im Alltag verwenden
Elefant, Panda, Meeresschildkröte, Nashorn und Wale werden vom WWF als bedrohte Tiere gelistet. “Was aber ist mit Erdäpfel, Topfen, auf Lepschi gehen und bagschierlich?”, bemerkte die Volkshochschule (VHS) Hietzing in einer Aussendung.

Eine Patenschaft für bedrohte Wörter sei dringend nötig, meinte der Buchautor Robert Sedlaczek, der gemeinsam mit der VHS eine entsprechende Aktion startet.

Gesucht werden Paten, die sich verpflichten, das gewählte Wort so oft wie möglich im Alltag zu verwenden. Die Patenschaft verpflichtet zu keiner Zahlung. Auf einer Homepage können Erlebnisse und Begegnungen mit bedrohten Wörtern eingetragen werden. Dort melden Interessierte auch ihre Patenschaft an.

“Sackerl” statt “Tüte”
Am Freitag, 5. Oktober, gibt es in der Volkshochschule Hietzing zudem einen Vortrag zum Thema “Dürfen wir so reden, wie uns der Schnabel gewachsen ist?” In ihrer Aussendung bemängelt die VHS Hietzing, dass “Norddeutsch” von vielen als das “bessere Deutsch” empfunden wird, und fordert dazu auf: “Sagen wir doch ‘Hendlhaxl’ statt ‘Hühnerkeule’, ‘Erdapfel’ statt ‘Kartoffel’, ‘Sackerl’ statt ‘Tüte’.”

orf.at

Die bedrohten Wörter Österreichs

Hier finden Sie eine aktuelle Liste der seit 14. 09. 2007 eingesendeten Wörter.

(Zuletzt aktualisiert am 1. 10. 2007.)
bagschierlich (ein vom Aussterben bedrohter Mundartausdruck)

Das im Vorwort angeführte “bagschierlich” ist in der Tat vom Aussterben bedroht.

Ich hab vor kurzem über eine junge Frau gesprochen und gesagt: “Die ist aber bagschierlich!” Die Frau hat zufällig mitgehört und wollte wissen, was das bedeutet.

Mir fällt auch gar nicht ein brauchbares Äquivalent ein: Knackig? Arrgh! Knuddelig? Arrgh! Da sieht man, dass die Mundart Ausdrucksmöglichkeiten bietet, die in der Standardsprache gar nicht vorhanden sind.

Rosy

Erdäpfel (bedroht durch Kartoffeln)

Ich habe eben das McDonald’s-Plakat “100 % Kartoffeln aus Österreich” gesehen. Wenn die Pommes wirklich aus Österreich wären, müsste am Plakat wohl “Erdäpfel” stehen.

Also: Rettet die Erdäpfel!

Arthur

Kassier oder Kassierer oder Kassiererer …

Mir fällt auf, dass in den Supermärkten immer wieder “Kassierer” und “Kassiererinnen” gesucht werden – eine entsetzliche Silbenverdoppelung. Bei uns heißt es “der Kassier” und nicht “der Kassierer”.

Ich vermute, dass hier der Sprachgebrauch der bundesdeutschen Muttergesellschaften durchschlägt. Im Buch “Das österreichische Deutsch” habe ich den Hinweis gefunden, dass sich der Ausdruck von italienisch cassiere ableitet.

Es ist also ein Unfug, noch ein -er anzuhängen.

Wolfi44

Auf Lepschi gehen, Mulatschag

“Auf Lepschi gehen” und “Mulatschag” (genauer: mulatság) sind zwei Begriffe, die aussterben. Als ich unlängst in Wien gegenüber zwei Studenten sagte, dass wir seinerzeit nach der Abendvorlesung auf Lepschi gegangen sind, fragte mich einer “Wo ist Lepschi?”. Er dachte offensichtlich an einen Lokal- oder Ortsnamen. Darauf fragte ich, ob er das Wort “Mulatschag” kenne, sagte er, gehört habe er es schon, aber was es bedeutet, wisse er nicht. So geht es leider vielen altösterreichischen Wörtern …

Univ.-Prof. Dr. Heinz-Dieter Pohl

Topfen

Besonders pervers find ich, in einem österreichischen Kochbuch das Wort “Quark” zu finden. Sowas würd ich nit essen!

Meine sämtlichen Rezepte wurden von mir persönlich und per Hand auf Topfen ausgebessert.

Helga

Wissenschafter (bedroht durch Wissenschaftler)

Ich weiß nicht, wem es noch auffällt, aber in manchen österreichischen Medien scheint das Wort “Wissenschafter” (ohne l) auszusterben, leider auch bei fachbezogenen Online-Medien wie ORF-Science.

Vielleicht werden ja von den Medien oft nur deutsche Pressemeldungen unredigiert (und ohne weitere Beachtung für “österreichische Wörter”) übernommen, aber es schleift sich halt langsam ein und man liest dann “Wissenschaftler”.

Furchtbar, Wissenschafter sind ja keine “Gschaftlhuber” und man sagt ja auch nicht “Wissenschaftler”. Im universitären Umfeld hat sich Wissenschafter glücklicherweise noch erhalten.

Also: Rettet den Wissenschafter!

Raoul

Projekt bedrohter österreichischer Wörter