Marrakech

Seit jeher ein Synonym für Fremdheit – Marrakech Marrakech – der fremde Klang, das Geheimnisvolle, das diesem Namen innewohnt.
Fliegt man nach Marrakech, zumal von London aus, so macht man sich wohl auf einen gewissen Clash der Kulturen gefasst. Ja. Aber dieser Wirbel an Unwirklichkeit, dieser Schwindel, der einen ergreift, wenn einen dieses Raum-Zeit-Wurmloch nach der Landung ausspuckt, das ist doch etwas viel. Ja, nicht nur Raum, auch Zeit!. Eine andere Welt. Eine Welt der mittelalterlichen Gaukler, Spieler, Händler. Wen wundert’s, wenn man da nicht wirklich ankommt, sondern Tage lang in einer schemenhaften Traumwelt verharrt. Und man weiß nicht wirklich: ist es Anachronismus der Vergangenheit – eine mittelalterliche Welt tut sich auf, nice, amüsant, kitschig, oder öffnet sich da der Schlund der Zukunft, eine futuristische Welt a la StarWars, furchteinflößend in seiner Fremdheit, instinktiv spürbar die ständig lauernde Gefahr einer ganz und gar nicht idyllischen Welt. Marrakech Marrakech. Denn so sieht es aus. Nicht altertümlich, es ist ganz und gar da, allein wir sind nicht angekommen, und schauen in diese lebensstrotzende fremde Welt durch ein Fenster zwar, aber durch festes Glas getrennt, eingesperrt, ausgesperrt ohne teilnehmen zu können. Wir sind gefangene unserer Zeit, unseres Raums, wenngleich wir ihn willentlich verlassen haben kommen wir am Ziel nicht an. Drüben abgeflogen, hier nicht angekommen. Gefangen in einer Zwischenwelt. Wir bewegen uns im Nichts als ferngesteuerte Marionetten. Nicht sie da draußen sind die Schemen, wenngleich wir sie so wahrnehmen, sondern wir sind es, wir sind die Schatten der Zwischenwelt, farblose Abziehbilder die mitten durch eine unberührbare Wirklichkeit schreiten ohne greifbar zu sein.

Weit entfernt ist die Zukunft. Eine sandige wüstengleiche Landschaft, heiß unter der ungeschützten Sonne, heiß auf einem vom Menschen überwärmten Planeten. Verhüllt sind die Menschen, seltsam archaischen Glaubensvorstellungen hängen sie an. Die Seelen erkennen einander intuitiv, doch ausgeprägte Instinkte machen sie misstrauisch und jeder ist sich selbst der nächste. Verhüllte Gestalten huschen eilig über den riesigen sonnenverbrannten Marktplatz, ein reges fröhliches Treiben beherrscht die Nacht.

In diesem parallelem Raum-Zeit-Gefüge finden unmögliche Begegnungen statt, werden Erinnerungen zur Zukunft, wird Zukünftiges Erinnerung. Verpasste Begegnungen graben sich als Geschehen in unser Gedächtnis ein. Optionale Geschehnisse überschreiten in unserer Wahrnehmung den Realitätshorizont.

Tag wie Nacht begleiten Gerüche die kontrastreiche Atmosphäre, ein Leitmotiv unserer Reise in den Süden, über den Hohen Atlas hinein in die Sahara an der algerischen Grenze.

Die fremde Welt, die Kleidung, die seltsame Landschaft – alles verkraftbar. Doch die unbekannte Schrift, ein Buch mit sieben Siegeln, mir verschlossen, ich ausgeschlossen, das ist unerträglich. Hilfe, ich bin zur Analphabetin geworden! Selbst Icons sind kulturabhängig und für mich unverständlich. Eine unlesbare Welt ist eine furchteinflößende Welt. Eine unheimliche Welt. Dieses Gefühl bleibt, daran kann ich mich nicht gewöhnen. Ich, Mensch der Schrift, bin völlig hilflos, verletzlich, ein blinder Maulwurf, in der mir verschlossenen Welt einer fremden Schrift. Könnte dies die grenzenlose Freiheit bedeuten – wenn die Zeichen der Konvention bedeutungslos werden? Niemals.

Sorry for the german version – translation will be coming soon – hopefully…