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Category Archives: literature

Zeitspiralen

Sprich mir nicht von der Gegenwart, die gedehnte Unendlichkeit des Augenblicks wird es für uns nicht geben.

Denn die Gegenwart ist nicht für uns bestimmt, unser Ort ist die Abwesenheit, unsere Zeit die erzählende Vergangenheit. Auch diese kann stillstehen, auch diese kann sich dehnen bis in die Unendlichkeit, auch diese kann eine liebende sein – wir sollten uns damit begnügen. Unser Raum wird aufgespannt von Worten, die daraus gewobenen Geschichten schützen uns wie ein Zelt in der Nacht.

Die Zeit und die Stille

Lassen wir uns von der Stille bewegen, um unsere Worte wieder zu hören. Die Spirale der Zeit ergreifen, uns drehen lassen, kreisend, wiederkehrend.

Es ging um die Zeit, es hatte sich seit jeher um die Zeit gedreht, Zeituhren, Zeitspiralen, bis die Zeit abläuft… aber konnte diese zyklische Zeit überhaupt ablaufen, endete ein Kreis denn jemals? Jemals in der Unendlichkeit? Die abgelaufene Zeit, und der Stress, bevor das Ablaufen passiert, wohl ein Phänomen unserer Zeit.

Gegenwart: Präsenz und Präsent – wenn die geliebte Person im hier und jetzt ist, also da ist, so liegt in dieser präsenten Gegenwärtigkeit ein Geschenk. Die Abwesenheit, jedoch, hat keine eigene Zeit, weder eine faktische noch eine grammatikalische. Die Absenz erzeugt unterschiedlichste Momente kreativer Art – Drehmomente des Erschaffens von Namen, Benennungen, Worten, Sehnsüchten. Keine Worte ohne Abwesenheit – denn die Gegenwart weist hin, ein Dies und Das, die hin- und bedeuten. Der Gegenwart genügt ein Fingerzeig, eine Berührung, ein Blick, ein kleines Augenzwinkern.

Sollte sie nicht tot sein, die Künstlerin, von der ich dir viele lange Abende erzählt habe? Und hier fand ich sie wieder, im Stillstand der Zeit, im Auge des wirbelnden Zeitsturms, mitten in der Ruhe des sich drehenden Zeitrades. Indien. Befreit und gefangen, in der Endlosigkeit grüner Plantagen. In der Endlosigkeit einer zyklischen Zeit. Der Wiederkehr der Blüte, Frucht und Ernte.

Dort sitzt die Künstlerin also teetrinkend: mitten im Tee, mitten in der Bergen, in einer einsamen Hütte inmitten von endlosen Teeplantagen. Umgeben von sanft geschwungenem Teegrün soweit das Auge reicht. An Zeiträdern arbeitend – vom Sonnentempel inspiriert – in Schattierungen von teegrün, dunkelgrün, hellgrün, smaragdgrün, blaugrün, wiesengrün und hügelgrün! Ob sie beim Aufrollen der Vergangenheit diese auch verarbeiten wird, ihre Wut hinter sich lassen kann oder vielmehr auf Rache sinnt – das konnte ich nicht herausfinden.

Wenn es hier also, in dieser teegrünen Geschichte, um den Kreislauf der Zeit geht, um Anwesenheiten, Wiederkehr und Gesetzmäßigkeit: Dharma, Natursymmetrien, Serielles – worum ging es dann in der ersten Geschichte? das Verborgene? das, wonach gebohrt werden muss? die tiefere Wahrheit? oder den Ursprung selbst? Abwarten und Tee trinken.

Die Zeit dreht sich weiter. Die kleinen Räder werden zu Spiralen, diese zu Quadraten welche sich zu einem Muster an Kleinkariertheit fügen. Jede Menge kleiner Quadrate, diese Geometrie als die organische Quadratur des Kreises. Die Wiederholung des ewig Gleichen. Kann man ein Loch in den Zeithorizont reißen, wenn man so ewig gleich dahin tut? Denn die identische Wiederkehr, die gibt es nicht. Kann sich eine Schlinge im Zeitfaden verfangen und dann stillstehen? Ja, reißen, wenn überstrapaziert? Und wenn eine Zeitschleife entsteht und die Zeitlinie beschädigt wird – haben wir eine Zeitlaufmasche? Sinnlos verrinnende Zeit??? Oder bleibt die Zeit dann End-lich stehen? Endlich!

Es war die Schroffheit der Berge gewesen, die sie am meisten berührt, während das Eingeschlossen-Sein sie abgestoßen hatte. Aber waren das nicht genau die Merkmale, die sie Zuhause auch vorfand? Zuhause. Ist Heimat das, wonach man sucht und irgendwann mal findet? Also das, wohin man geht oder vielmehr das, woher man kommt? Oder ist es der Ort, wohin man wieder zurück geht? Wo man einkehrt. Endet.

Fragen über Fragen. Die Einsamkeit, das Leben. Die Kommunikation, das Schweigen, das Wandern, die stille Einkehr und der Stillstand. Das Nomadentum als die Zeitmaschine der Liebe, als der Moment der Anwesenheit: Warmherzigkeit, Tee und Kaffee, das Leben und der Tod. Das ist Indien, das ist die Zeit. Das ist das Leben.


 
 

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Nacht Gang

träume – nachtgang durch
landschaften von andersheit
deine hand in meiner
komm! hör den herzschlag
spür meine melodie
schau meine gedanken

Übertragung ins Deutsche von Night Walk (vorhergehender Post)

Sedōka – eine japanische Gedichtform mit den max. Silben 5-7-7-5-7-7,
ähnlich dem Haiku und Tanka stellt er eine Unterordnung des Waka dar.

 
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Posted by on September 28, 2011 in fiction, literature, Post auf Deutsch

 

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Tanka: Night Walk

dreaming – night walk through
landscapes of otherness
your hand in mine
come, listen to heartbeats
feel my tune, see my thoughts

Tanka is a form of Japanese poetry, similar to Haiku, but older and consisting of max. 5-7-5-7-7 Syllables.

 
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Posted by on September 27, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Anmerkung eines Augenblicks

Seltsam, deine Tinte
in meinem Schreibbuch zu finden
die Spuren deiner Füllfeder
in meiner Handschrift zu lesen…

Erinnerst du
diesen Augenblick…

Anmerkung eines Augenblicks

English version: Traces of a Moment

 
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Posted by on September 13, 2011 in fiction, literature, Post auf Deutsch

 

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Traces of a Moment

So strange to find

this special ink in my notebook
reading the traces of your fountain pen
written down by my own hand.

Do you remember
this blink of a moment…

German version: Anmerkung eines Augenblicks

 
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Posted by on September 13, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Haiku: After Sunset

starry summer night
don’t you hear my song anymore
sad melancholy

 
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Posted by on August 25, 2011 in ENGLISH post, literature

 

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Haiku: Sunny Eyes

sunny eyes, sad soul
only love seizes the truth
in a moment’s gaze

 
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Posted by on August 4, 2011 in fiction, literature

 

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Haiku: Lush Roses

lush roses blooming
an intense scent of love
sweet sweat in the air

 
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Posted by on May 26, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Haiku: Dark Heart

dark curtains, hot lips
wandering hands, bodies touch
soul fusion, heart break

 
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Posted by on May 24, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Haiku: False Dreams

false cricket chirping
touching skins, blurred memories
forsaken bodies

 
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Posted by on May 24, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Haiku: Breeze of Sorrows

burning summer breeze
cats lazily chewing birds
merciless sorrows

 
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Posted by on May 22, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Tanka: Enticing Melodies

green mead, frail blooming
birds’ enticing melodies
when you grasped my hand
dragging me into your dreams
swift overwhelming journey

 
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Posted by on March 28, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Haiku: Night’s Clarity

distant tune creeping
into flesh, night’s clarity
throbbing heartbeat hurts

 

 
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Posted by on March 27, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Haiku: Tunes of Desire

blue skies, airy clouds
magical bird melodies
tunes of desire

 

 
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Posted by on March 15, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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Haiku: Blue Blooming

blue blooming, stormy
spring stroll, breeze of reverie
reverberant tune

 

 
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Posted by on March 14, 2011 in ENGLISH post, fiction, literature

 

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